Ex-BND-Chef August Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen. Es gilt die Unschuldsvermutung
Ermittler des Bundeskriminalamts nahmen am Dienstagmorgen August Hanning fest, von 1998 bis 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes und danach bis 2009 Staatssekretär im Innenministerium. Auch sein früherer Büroleiter Manfred D. wurde festgenommen. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit. Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. seit dem Frühjahr 2010 Informationen für Hanning besorgt haben, damit dieser sie in seiner privaten Beratertätigkeit gewinnbringend nutzt; zwischen 2010 und 2022 sollen es fast 2.000 Dokumente gewesen sein. In einem Fall habe Hanning damit eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden Sicherheitsapparats erstellt. Ob sie den Adressaten erreichte, ließ sich laut Ermittlern nicht feststellen. Das Verfahren geht auf Funde aus einer Durchsuchung der Hamburger Staatsanwaltschaft im September 2025 im Zusammenhang mit dem Fall Christina Block zurück. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), äußerte sich in der Tagesschau.
Der Fall trifft den Dienst an seiner empfindlichsten Stelle: Ein ehemaliger Präsident soll über Jahre Daten aus dem BND abgezogen haben. Er kommt einen Tag nach der öffentlichen Anhörung, in der die aktuellen Dienstchefs für mehr Befugnisse warben, und er nährt die Frage, wie sicher die Dienste mit ihren eigenen Geheimnissen umgehen.
Für die meisten Leser hat der Fall keine direkten Folgen. Bedeutsam ist er für die Debatte über mehr Befugnisse der Dienste und über wirksamere Kontrolle.
Zwischen Verdacht und Beweis liegt viel. Bisher steht nur die Anklagebehörde im Wort. Aufschlussreich wird, ob die Ermittler einen ausländischen Empfänger benennen und was der Haftrichter am Bundesgerichtshof sagt.
DailyDrop Ausgabe Deutschland Nr. 2 · Morgenausgabe · Di., 6. Okt. 2026