Nord-Stream-Prozess: Der Angeklagte schweigt, die Verteidigung beantragt Einstellung
In Hamburg hat am Mittwoch der erste Prozess zu den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines vom September 2022 begonnen. Angeklagt ist der ukrainische Ex-Offizier Serhij K., der die Gruppe der Täter angeführt haben soll (FAZ, RTS, Guardian). Die Anklage wirft ihm ein Kriegsverbrechen vor; er soll als Offizier und in Kenntnis staatlicher Stellen gehandelt haben (Handelsblatt). Die Verteidigung kündigte an, dass er nicht aussagt, und beantragte die Einstellung (Zeit Online, Watson). Sein Anwalt argumentiert, die Gasleitungen seien eine «Waffe» Russlands gewesen (Le Devoir). Selenski bestreitet eine Beteiligung des ukrainischen Staates (tagesschau). Ein zweiter Verdächtiger wurde im Sommer in Kroatien festgenommen und wehrt sich gegen seine Auslieferung (Le Figaro).
Der Fall belastet das Verhältnis zwischen Berlin und Kiew: Deutschland ist der wichtigste militärische Unterstützer der Ukraine in Europa (RSI), und der Prozess dürfte die Debatte über Ukraine-Hilfen befeuern (tagesschau).
Für die Schweiz sind keine direkten Folgen gemeldet. Der Fall erinnert daran, wie verletzlich Energieleitungen sind.
Wer kritische Infrastruktur sprengt, muss sich vor Gericht verantworten, auch im Krieg.
Viele Menschen in der Ukraine halten die Pipelines für ein legitimes Ziel im Verteidigungskampf (tagesschau).
Das Verfahren steht am Anfang. Belegt sind Anklage, Schweigen und Einstellungsantrag; wer den Auftrag gab, ist nicht geklärt. Wir achten auf die Entscheidung über den Antrag und auf das Auslieferungsverfahren des zweiten Verdächtigen.
DailyDrop Ausgabe Schweiz Nr. 11 · Morgenausgabe · Do., 15. Okt. 2026