Nach einem Telefonat mit Putin sagte Trump am Freitagabend auf Truth Social, Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel auf den US-Markt und den Weltmarkt bringen, bald drei Millionen Tonnen. Das US-Finanzministerium stellte laut Spiegel eine befristete Erlaubnis aus, weil Russland unter Sanktionen steht. Der Kreml bestätigte das Gespräch (anderthalb Stunden, Schwerpunkt Ukraine) und Putins Bereitschaft zu liefern; Vizeregierungschef Nowak sagte, Russland hebe die Dieselexportbeschränkungen sofort auf, im November und Dezember kämen mehr Mengen. Selenskyj kritisierte den Handel scharf; Axios zufolge war Kiew überrascht. Die Mengen stammen bislang allein von Trump.
Der Schritt zeigt, wie stark der Spritpreis Trumps Politik vor den Zwischenwahlen am 3. November lenkt. Er lockert zugleich den Sanktionsdruck auf Moskau, den die Verbündeten, auch Deutschland, bisher mittragen.
Diesel ist für Heizöl, Spedition und Landwirtschaft wichtig. Mehr Angebot auf dem Weltmarkt könnte Preise dämpfen, doch zunächst ist es eine Ankündigung. Die Reaktion der Märkte zeigt sich erst am Montag.
Mehr Diesel auf dem Markt senkt die Preise und entlastet Verbraucher weltweit. Wer den Krieg beenden will, muss mit Moskau im Gespräch bleiben.
Jede Tonne russischer Ausfuhr bringt Moskau Geld für den Krieg. Die Lockerung der Sanktionen belohnt Putin, ohne dass er etwas zugesagt hat.
Zwei Dinge sind zu beobachten. Erstens: ob die Mengen tatsächlich fließen, denn bisher gibt es Trumps Zahlen und Moskaus Bereitschaft, aber keine Verträge. Zweitens: wie Europa auf die Lockerung reagiert, weil sie die gemeinsame Sanktionslinie berührt. Eine Antwort der Bundesregierung fehlt bislang.
Tagesschau · Spiegel · Handelsblatt · Zeit · FAZ · Reuters · AP · BBC · Financial Times · Axios (alle 9.–10. Okt.) · Kreml-Angaben über Tass · Liefermengen nur nach Trump
Trump verkündet nach einem Telefonat mit Putin russische Diesellieferungen für die USA und den Weltmarkt, Selenskyj nennt es eine „Investition in den Krieg“
Washington lockert dafür vorübergehend die Sanktionen. Der Kreml bestätigt Gespräch und Lieferbereitschaft, doch die großen Mengen stammen bislang allein von Trump. Kiew ist empört, und ob der Preis an der Zapfsäule sinkt, ist offen.
Nach einem Telefonat mit Wladimir Putin hat US-Präsident Donald Trump am Freitagabend große Dieselmengen aus Russland angekündigt. Auf Truth Social schrieb er, Russland werde „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel auf den amerikanischen und den weltweiten Markt bringen; bald sollten es drei Millionen Tonnen sein. Tagesschau, Spiegel, Handelsblatt, Zeit, FAZ, Reuters, AP, BBC und die Financial Times berichten übereinstimmend. Weil Russland unter Sanktionen steht, gab das US-Finanzministerium nach Angaben des Spiegels eine befristete Erlaubnis aus. Zuständig dafür ist die Sanktionsbehörde OFAC.
Der Kreml bestätigte das Gespräch und nannte die Dauer: anderthalb Stunden. Im Mittelpunkt habe die Lage in der Ukraine gestanden, daneben große Wirtschaftsprojekte, darunter russische Brennstofflieferungen. Putin habe zugesagt, Russland sei bereit, Öl und Ölprodukte an die USA und den Weltmarkt zu liefern, meldet die Agentur Tass. Vizeregierungschef Alexander Nowak sagte, Russland hebe die Beschränkungen für Dieselausfuhren sofort auf; zusätzliche Mengen seien schon im Oktober möglich, im November und Dezember kämen mehr, sobald die Raffinerien nach den Wartungen wieder arbeiteten. Welche Mengen wann fließen, ist offen. Die Zahlen stammen bislang von Trump.
Der Hintergrund ist innenpolitisch. Die Dieselpreise in den USA haben sich nach Angaben der BBC seit Beginn des Krieges mit dem Iran im Februar verdoppelt, und am 3. November wird gewählt: Bei den Zwischenwahlen steht der Kongress zur Abstimmung. Das Handelsblatt schreibt, Trump stehe wegen der Spritpreise seit Langem unter Druck; die FAZ sagt, er besorge Brennstoff für seine Kernwähler. Zugleich lockert Washington den Druck auf Moskau, den es mit Sanktionen aufgebaut hatte. Das ist der eigentliche Kern der Meldung.
In Kiew löste die Ankündigung Empörung aus. Präsident Selenskyj nannte es eine „Investition in den Krieg“, die enden müsse, nicht weitergehen. Russland werde Zugeständnisse beim Diesel mit „mehr Terror“ zurückzahlen, und Geschenke an Putin beim Abbau von Sanktionen beendeten den Krieg nicht. Nach Axios war die ukrainische Regierung von der Ankündigung überrascht; dem Portal sagte Selenskyj, der Handel sei „nicht fair und nicht ehrlich“. Die Ukraine hat zuletzt immer wieder russische Raffinerien getroffen.
Der Kreml verband das Telefonat mit weiteren Themen. Putin habe Trump gesagt, Russland werde überlegen, wann es die Friedensgespräche wieder aufnimmt; beide hätten Interesse am Apec-Gipfel in China im November. Außerdem habe Trump Russlands Rolle bei einer Lösung im Iran-Konflikt begrüßt, so die Darstellung des Kremls, die das Weiße Haus in den vorliegenden Meldungen nicht bestätigt hat. Der Trump-Vertraute Witkoff nannte die Ukraine-Gespräche in den USA „konstruktiv“.
Ein klares Bild vom Ölmarkt gibt es erst, wenn die Terminmärkte nach dem Wochenende wieder öffnen; WTI lag zuletzt bei 91,63 Dollar, 0,15 Prozent im Plus. Für Deutschland ist vor allem offen, ob zusätzliches russisches Diesel den Weltmarkt entlastet oder die gemeinsame Sanktionslinie der Verbündeten schwächt. Eine Stellungnahme der Bundesregierung fand sich in den ausgewerteten Meldungen bis zum frühen Samstagmorgen nicht. Auch eine Reaktion der EU-Kommission fand sich dort nicht.