In Hamburg beginnt der Nord-Stream-Prozess: Ein ukrainischer Ex-Offizier muss sich wegen Kriegsverbrechen verantworten, die Verteidigung nennt die Pipeline eine Waffe
In Hamburg begann am Mittwoch, gut vier Jahre nach den Explosionen, der Prozess um die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines (Zeit, Handelsblatt, Spiegel, BBC, FT). Angeklagt ist der Ukrainer Serhij K., ein früherer Offizier. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für den Drahtzieher; er soll die Gruppe angeführt haben, die Sprengsätze an den Leitungen in der Ostsee anbrachte (Handelsblatt, FT). Die Anklage wirft ihm Kriegsverbrechen vor und geht davon aus, dass er als Offizier und in Kenntnis staatlicher Stellen handelte (Handelsblatt, Zeit, n-tv). Die Verteidigung kündigte an, dass er nicht aussagen wird (Zeit, FAZ), und beantragte, das Verfahren einzustellen (Zeit).
Der Prozess klärt, ob die Sprengung als Kriegsverbrechen oder als legitimer Akt eines angegriffenen Landes zu bewerten ist (Süddeutsche Zeitung). Er belastet nach der Tagesschau politisch die Debatte über die Ukraine-Hilfen.
Für die Energiepreise hat der Prozess keine unmittelbare Folge. Politisch dürfte er die Diskussion über die Unterstützung der Ukraine befeuern, auch in den Parlamenten.
Recht geht vor Staatsräson: Auch ein Angeklagter aus einem angegriffenen Land bekommt ein faires Verfahren (Handelsblatt, Kommentar).
Nord Stream sei „von Anfang an eine Waffe“ gewesen, sagt die Verteidigung (Süddeutsche Zeitung); sie wirft der Anklage vor, den Fall im Sinne Moskaus zu sehen (FAZ).
Wir achten darauf, wann das Gericht die nächsten Verhandlungstage ansetzt und ob der Angeklagte sein Schweigen bricht. Die Schlagzeile der FAZ, Kiew habe ihn zum Schweigen verpflichtet, ist eine Einzelquelle; wir führen sie unter den unbestätigten Meldungen.
DailyDrop Ausgabe Deutschland Nr. 11 · Morgenausgabe · Do., 15. Okt. 2026