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Außenpolitik · USA · UkrainePresse ✓ 9 Medien · ein Plan für den Machtwechsel nicht belegt

Trump fordert nach dem Diesel-Streit einen neuen Präsidenten für die Ukraine, Kiew und London stellen sich hinter Selenskyj, Berlin hält an den Sanktionen fest

Der Streit um den Dieselhandel mit Moskau eskaliert am Samstag. Republikaner im Kongress widersprechen, Russland lobt die Worte, in der Ukraine sterben nach russischen Angriffen 20 bis 21 Menschen. Was Trump tun will, bleibt offen.

Am Samstag hat US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj offen angegriffen. „Es ist Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt“, sagte er nach übereinstimmenden Berichten von BBC, DW, Zeit, Tagesschau, FAZ, Süddeutscher Zeitung und Spiegel; nach DW soll das Land dazu wählen. Anlass ist der Streit um den Dieselhandel mit Russland, den wir gestern gemeldet haben. Selenskyj hatte ihn eine „Investition in den Krieg“ genannt. Nach italienischen Medien (Il Sole 24 Ore, La Stampa) forderte Trump Kiew außerdem auf, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen.

Der Hintergrund ist innenpolitisch. Am Freitagabend hatte Trump nach einem Telefonat mit Putin auf Truth Social angekündigt, Russland werde „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel liefern, später drei Millionen. Die Zahlen stammen bisher nur von ihm, der Kreml nannte keine Mengen. Die Spritpreise in den USA belasten ihn vor den Zwischenwahlen am 3. November, und Washington lockert dafür den Sanktionsdruck auf Moskau. Selenskyj sieht darin ein Geschenk an Putin; Trump machte Kiew nach ABC für die steigenden Dieselpreise in den USA mitverantwortlich.

Die ukrainische Regierung wies den Vorstoß zurück und stützt Selenskyj, melden Zeit und Handelsblatt. Selenskyj sagte nach La Vanguardia, Geschenke an Putin brächten „nicht Frieden, sondern mehr Terror“. Rückendeckung kam aus London: Burnham sicherte Selenskyj „völlige Solidarität“ zu (Straits Times, ANSA). In Moskau fiel das Echo anders aus. Kirill Dmitrijew, der Wirtschaftsgesandte Putins, nannte Trumps Äußerung „ikonisch und historisch“ (ANSA, EADaily). Auch in Trumps eigener Partei regt sich Widerspruch: Republikanische Abgeordnete lehnen den Diesel-Deal und die Worte über Selenskyj ab, berichtet The Hill.

Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Linie. Nach Reuters und DW hält Deutschland an den Sanktionen gegen Russland fest. Russland hat sein Dieselausfuhrverbot nach Spiegel und FinancialJuice teilweise aufgehoben. Ob dadurch an der Zapfsäule etwas billiger wird, bezweifeln Fachleute: Die FAZ spricht von einer „symbolischen Handlung“, die die Preise kaum ändere; auch der Spiegel zitiert eine Expertin mit Zweifeln.

Der Krieg ging unterdessen weiter. Bei russischen Angriffen starben am Samstag nach France 24 und Straits Times 20 bis 21 Menschen, vor allem in Saporischschja; Reuters hatte zuerst sieben Tote gemeldet. Unterhändler der USA, der Ukraine und europäischer Staaten trafen sich laut Reuters in Miami, während Trump den Dieselhandel ankündigte. Der Kreml dämpfte in dieser Woche die Erwartung, dass bald wieder über Frieden verhandelt wird (Reuters).

Was Trump konkret gegen Selenskyj unternehmen will, ist in den vorliegenden Meldungen nicht belegt: Ein Plan, eine Frist oder ein Schritt der US-Regierung wird nirgends genannt. Auch die Liefermengen stammen weiter nur von Trump. Die Märkte sind bis Montag geschlossen; WTI schloss am Freitag bei 91,85 Dollar, 0,39 Prozent im Plus. Für Deutschland zählt, ob die Verbündeten ihre Sanktionslinie halten und wie Berlin und Brüssel auf Trumps Forderung nach einem Machtwechsel in Kiew antworten. Ein deutscher Kommentar der Bundesregierung zu dieser Forderung fand sich bis zum frühen Sonntag nicht.

Meldung und DailyDrop-Einschätzung aufklappen
Zahlen des Tages
20–21Tote nach russischen Angriffen am Samstag (France 24, Straits Times)
300.000 tDiesel „umgehend“, so Trump auf Truth Social
91,85 $WTI-Ölpreis, Schluss am Freitag
Nahost · Saudi-ArabienPresse ✓ 10 Medien · Urheber der Tankerattacke offen

Huthi-Angriff auf den Flughafen Riad: zwölf Tote, 309 Verletzte, Trump erwägt, sich an saudischen Schlägen zu beteiligen

Bei einem Angriff auf den Flughafen King Khalid in Riad sind am Samstag nach Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde mindestens 12 Menschen gestorben, 309 wurden verletzt (Reuters, AP, DW, Tagesschau, Zeit, Handelsblatt, Al Jazeera). Zuerst war von zwei Toten und mehreren Verletzten die Rede. Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis macht die Huthi-Miliz im Jemen verantwortlich und spricht von einem Kriegsverbrechen; Business Times nennt es den tödlichsten saudischen Angriff seit zehn Jahren. Das Bündnis meldet außerdem eine abgefangene Rakete bei al-Charj und ein Geschoss nahe dem Flughafen Dammam.

Der Angriff fällt in den Krieg mit dem Iran, in dem die Huthi als vom Iran unterstützte Miliz auftreten. Fluglinien strichen nach Reuters weitere Verbindungen, der Flughafen stellte den Betrieb ein. Große Konferenzen in Saudi-Arabien sollen nach Angaben der Veranstalter trotzdem stattfinden (Reuters). Die jemenitische Regierungsarmee meldet Vorstöße gegen die Huthi (Al Jazeera), unabhängig bestätigt ist das nicht.

US-Außenminister Rubio sagte, bei den Angriffen sei ein Amerikaner getötet worden. Trump nannte den Angriff „nicht akzeptabel“ und erwägt nach Al Jazeera und Mint, sich an saudischen Schlägen gegen die Huthi zu beteiligen; entschieden ist nichts. UN-Generalsekretär Guterres verurteilte den Angriff. Die Bundesregierung rät laut Spiegel von Flügen über Riad ab. In der Straße von Hormus geriet ein Öltanker durch ein unbekanntes Geschoss in Brand, die Besatzung ist laut UKMTO unverletzt (Spiegel, FinancialJuice). Bestätigt ist bisher weder, wer den Tanker traf, noch ob er mit dem Angriff auf Riad zusammenhängt.

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Wort des Tages
Straße von HormusGeografie

Die Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls fährt. Zwischenfälle dort bewegen den Ölpreis.


Innenpolitik · KoalitionPresse ✓ 8 Medien · Folgen für die Koalition offen

Merz lehnt auch den neuen EU-Haushaltsentwurf ab, Seehofer wirft ihm „massiven Glaubwürdigkeitsverlust“ vor, vor der CDU-Klausur wächst der Druck

Bundeskanzler Merz sieht im neuen Vorschlag der irischen Ratspräsidentschaft für den EU-Haushalt 2028 bis 2034 „keine Grundlage für eine Einigung“ und hält diese für „weit entfernt“ (Tagesschau, Zeit, Handelsblatt, dpa). Der Entwurf sieht Gesamtausgaben von rund 1,826 Billionen Euro vor. Das ist nach dpa etwa 141 Milliarden Euro weniger als im Kommissionsentwurf, t-online nennt 159 Milliarden. Nettozahler wie Deutschland halten ihn nach dem Handelsblatt für „schlicht unleistbar“. Die Staats- und Regierungschefs beraten am 15. und 16. Oktober in Brüssel.

Zugleich wächst der Druck auf den Kanzler zu Hause. Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer attestiert ihm einen „massiven Glaubwürdigkeitsverlust“ (Zeit, Stern, n-tv, t-online); die Quelle der Zitate ist ein BILD-Bericht. Das Handelsblatt schreibt, vor der Klausur des CDU-Präsidiums wachse der Druck, der Tagesschau zufolge steht Merz vor einer schwierigen Aufgabe. In Berlin sorgen Sondierungen von SPD, Grünen und Linken für Ärger: Kulturstaatsminister Weimer nennt Rot-Grün-Rot „ein Misstrauensvotum gegen unsere Koalition“ (FAZ, Tagesschau). Altkanzler Schröder ist nach seinem Putin-Besuch in der SPD isoliert; der Bezirk Oberpfalz fordert seinen Rauswurf (Zeit, Handelsblatt). Ein Ende der Koalition ist in den Meldungen nicht zu finden.

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Recht · SteuernPresse ✓ 5 Medien · Urteil nicht vor Herbst erwartet

Karlsruhe prüft ab Montag die Erbschaftsteuer: Dürfen Firmenerben weniger zahlen als alle anderen?

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt ab Montag über die Erbschaftsteuer (Spiegel, LTO, Epoch Times, Freitag, Finanzwende). Ein Verfahren geht auf eine Vorlage des Bundesfinanzhofs zurück, der die Verschonung von Betriebsvermögen für verfassungswidrig hält. Ein zweites hat die bayerische Landesregierung angestoßen. Sie hält die Freibeträge für zu niedrig, weil die Immobilienpreise gestiegen sind. Die Ausnahmen für Firmenerben kosteten den Staat nach den Berichten 2024 etwa 8,8 Milliarden Euro.

Ökonomen wie Ifo-Chef Clemens Fuest fordern niedrigere Sätze bei weniger Ausnahmen. Der Verband der Familienunternehmer warnt vor Folgen für Investitionen und Arbeitsplätze; der DIHK verweist auf 500.000 gefährdete Stellen bei einer Mehrbelastung, eine Verbandsrechnung ohne unabhängige Prüfung. Ein Urteil wird für den Herbst erwartet (LTO), ein genauer Termin wurde in den Meldungen nicht genannt. Für Erben kleiner Vermögen ändert sich zunächst nichts.

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Sport · BundesligaPresse ✓ 7 Medien · Spielstände laut Spielberichten

Augsburg trifft nach acht Sekunden, Bayern holt nur einen Punkt, Leipzig schlägt Frankfurt 6:0, und Lange gibt auf Hawaii auf

Der FC Augsburg erzielte im Spiel gegen den FC Bayern nach acht Sekunden das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte (Zeit, Spiegel, Straits Times, CNA). Der Spiegel schreibt, Torwart Manuel Neuer habe es verschuldet. Bayern kam danach zu einem Remis; nach dem Spiegel wurden dem Team vier Tore wegen Abseits aberkannt, die BBC spricht von einem späten Tor, das eine Niederlage abwendete. Die FAZ zählt fast 30 Torschüsse. Bei Leipzig gegen Frankfurt traf Christopher Nkunku dreimal beim 6:0 (Zeit, FAZ, Spiegel); der Frankfurter Trainer sagte laut Express: „Man muss sich schämen.“

Triathlet Patrick Lange musste bei seinem letzten Ironman auf Hawaii mit Krämpfen aufgeben (Spiegel, FAZ, Zeit, n-tv). In der 2. Bundesliga trennten sich Nürnberg und Wolfsburg 4:4, drei Tore fielen in der Nachspielzeit (Zeit, Eurosport). Der Radprofi Paul Seixas gewann als jüngster Sieger der Geschichte die Lombardei-Rundfahrt (Spiegel, Sportschau).

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Kurz gefasst
  • Brasilien: Polizei befreit 13 Kinder aus einer Kita in Curitiba, der Geiselnehmer wird getötetn-tv · 20 Minuten · heute.at
  • Abbas verschiebt die Palästinenserwahlen auf September 2027Reuters · Spiegel
  • Polen: dritter Messerangriff auf Jugendliche in vier Tagen, drei VerletzteReuters · Tagesschau
  • Mann stirbt nach Betreten des Tigergeheges in einem britischen ZooSpiegel · Zeit · Reuters
  • Tschechien: Opposition schneidet bei der Senatswahl überraschend gut abZeit · Handelsblatt
  • Panama: Erste Bilanz nach dem Erdbeben, keine TotenZeit
  • Wall Street schloss am Freitag im Plus: S&P 500 7.811,54, Nasdaq 27.366,17, Dow Jones 51.654,95Börsenschluss
  • Zehnjährige US-Anleihen rentieren 5,244 Prozent, Gold stieg auf 4.216,3 DollarBörsenschluss
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Unbestätigt — was wir nicht belegen konnten

„Trump setzt Selenskyj ab.“ Trump fordert einen neuen Präsidenten und Wahlen. Ein Schritt der US-Regierung oder ein Verfahren wird in den Meldungen nirgends genannt.
„In Russland ist die Pest ausgebrochen.“ Russland räumt den Tod einer Laborantin ein und weist den Pestverdacht zurück; die WHO weiß nicht, woran sie starb (Reuters, Spiegel). AFP Fact Check warnt vor unbewiesenen „Heilmitteln“.
„Die USA greifen im Jemen ein.“ Trump erwägt, sich an saudischen Schlägen gegen die Huthi zu beteiligen (Al Jazeera, Mint). Eine Entscheidung wurde nicht gemeldet.

Stimmen im Netz

  • Donald Trump Truth Social · 10/10Trump sagte, er hätte „acht Friedensnobelpreise“ verdient; Norwegen trage nach seiner Darstellung einen „unauslöschlichen Makel“.
  • Elon Musk X · 10/10Musk schrieb auf X, Selenskyj sei im Streit um den Diesel-Deal „zu weit gegangen“ (laut Big News Network).
  • Donald Trump Truth Social · 10/9Trump schrieb auf Truth Social, Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel liefern, bald drei Millionen.
  • Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine Telegram · 10/10Selenskyj schrieb, Russland habe sich für die Lockerung der Diesel-Sanktionen mit Gleitbomben auf Wohnhäuser in Saporischschja „bedankt“.

Aussagen wie gepostet, nicht geprüft.

Glossar · gepunktete Wörter — Begriffe aus Politik, Wirtschaft, Recht und Sicherheit, im Zusammenhang der Meldung erklärt. Die Liste wächst täglich.
IN DIESER AUSGABETrump fordert nach dem Diesel-Streit einen neuen Präsidenten für die Ukraine, Kiew und London stellen sich hinter Selenskyj, Berlin hält an den Sanktionen festAußenpolitik · USA · UkraineHuthi-Angriff auf den Flughafen Riad: zwölf Tote, 309 Verletzte, Trump erwägt, sich an saudischen Schlägen zu beteiligenNahost · Saudi-ArabienMerz lehnt auch den neuen EU-Haushaltsentwurf ab, Seehofer wirft ihm „massiven Glaubwürdigkeitsverlust“ vor, vor der CDU-Klausur wächst der DruckInnenpolitik · KoalitionKarlsruhe prüft ab Montag die Erbschaftsteuer: Dürfen Firmenerben weniger zahlen als alle anderen?Recht · SteuernAugsburg trifft nach acht Sekunden, Bayern holt nur einen Punkt, Leipzig schlägt Frankfurt 6:0, und Lange gibt auf Hawaii aufSport · Bundesliga