Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski sagte am Montag, Russland habe sechs Energieanlagen getroffen, nachdem Donald Trump am Sonntag eine Energie-Waffenruhe verkündet hatte (Ukrinform, PBS, The Hill). Die Ukraine sei bereit, einer solchen Pause zuzustimmen, bei Putin sei er unsicher (FinancialJuice, Bloomberg). Moskau bestätigte bis Montagabend nicht, dass eine Waffenruhe gilt (RTS, Watson, BBC). Der Kreml wies Selenskis Idee einer 60-tägigen Waffenruhe für Wahlen zurück und will ein umfassendes Friedensabkommen (Reuters, UNITED24 Media). Die EU-Aussenminister beschlossen am Montag Sanktionen gegen knapp 1600 Personen, Unternehmen und Organisationen (SRF); Le Temps nennt fast 1650 Namen und das grösste Paket seit Kriegsbeginn. Trumps Dieselabkommen mit Russland sorgt für Streit mit Kiew und Unbehagen bei Republikanern (SRF, Bloomberg).
Beide Seiten treffen die Energie des Gegners. Eine überprüfbare Waffenruhe würde Zivilisten im Winter entlasten und den Ölpreis dämpfen. Eine nur ausgerufene Pause verwischt, wer sich woran hält, und gibt Moskau Spielraum. Die Sanktionen zeigen Geschlossenheit, doch ein SRF-Korrespondent bezweifelt ihre Wirkung.
Für die Schweiz zählt der Energiepreis: Diesel und Heizöl folgen dem Rohölpreis mit Verzögerung. Die Schweiz übernimmt EU-Sanktionen in der Regel, ob auch dieses Paket, ist nicht gemeldet. Unternehmen mit Geschäften in Osteuropa sollten die Sanktionslisten im Blick behalten.
Neue Sanktionen erhöhen den Druck auf Moskau, solange die Waffenruhe nur behauptet wird, und stärken Kiew.
Ohne wirksame Durchsetzung bleiben Sanktionen ein Zeichen; die Dieselvereinbarung der USA untergräbt sie zudem.
Belegt ist ein Streit über eine Waffenruhe, die nur eine Seite ausgerufen hat. Wir achten auf drei Dinge: ob der Kreml zustimmt, ob jemand die Einhaltung überwacht und ob die EU mit den Sanktionen mehr bewirkt als ein Zeichen. Ein Ölpreis von knapp 106 Dollar zeigt die Nervosität der Märkte.
Ukrinform · PBS · The Hill · Fortune · Bloomberg · RTS · Watson · BBC · Reuters · SRF · Le Temps (12. Okt.)
Trotz «Energie-Waffenruhe» trifft Russland laut Selenski sechs Energieanlagen. Die EU-Aussenminister beschliessen Rekord-SanktionenTrotz «Energie-Waffenruhe» trifft Russland laut Selenski sechs Energieanlagen. Die EU-Aussenminister beschliessen Rekord-Sanktionen
Moskau bestätigt bis Montagabend keine Waffenruhe, der Kreml lehnt Selenskis Idee einer 60-tägigen Pause für Wahlen ab. Die EU richtet neue Strafmassnahmen gegen knapp 1600 Ziele, ein SRF-Korrespondent spricht von einem «starken Zeichen».
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski hat am Montag gesagt, Russland habe sechs Energieanlagen seines Landes getroffen, obwohl US-Präsident Donald Trump am Sonntag auf Truth Social eine «Energie-Waffenruhe» verkündet hatte (Ukrinform, PBS, The Hill). Putin lese Truth Social nicht, sagte Selenski laut Fortune. Zugleich erklärte er, die Ukraine sei zu einer Waffenruhe für Energieanlagen bereit, bei Putin sei er sich aber nicht sicher; Kiew werde antworten, falls Russland die Pause im Winter nicht einhalte (FinancialJuice, Bloomberg, RTS). Moskau hat bis Montagabend nicht bestätigt, dass eine solche Waffenruhe in Kraft ist (RTS, Watson, BBC). Der Kreml lehnte ausserdem Selenskis Idee einer 60-tägigen Waffenruhe für Wahlen ab und verlangt ein umfassendes Friedensabkommen (Reuters, UNITED24 Media). Russlands Aussenminister Sergei Lawrow sagte laut 20 Minuten, Selenski habe auf dem Schlachtfeld keine Pause verdient. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas sagte laut FinancialJuice, eine Waffenruhe funktioniere nicht, wenn sich nur eine Seite daran halte. Der Nato-Oberbefehlshaber in Europa, der US-General Alexus Grynkewich, sagte am Montag auf einem Verteidigungsforum in Warschau, ein Angriff auf Nato-Staaten wäre «völlig vergeblich»; ein Konflikt stehe nicht unmittelbar bevor, Moskau solle die roten Linien des Bündnisses nicht überschreiten (RTS, Reuters, NZZ). Die NZZ schreibt, seine neue «Siegestheorie» sehe eine dreistufige Abwehr vor, die auch Schläge auf dem Boden des Gegners einschliesse. Über Verletzte und Tote gehen die Angaben auseinander: Watson meldet einen Toten bei einem Drohnenangriff auf Kiew, TVC News nennt 21 Tote bei russischen Angriffen; eine unabhängige Bestätigung dafür fehlt.
Die EU-Aussenminister beschlossen am Montag neue Sanktionen gegen knapp 1600 Personen, Unternehmen und Organisationen (SRF). Le Temps zählt fast 1650 Namen und spricht vom grössten Paket seit Kriegsbeginn; Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung und Watson titeln mit «Rekord-Sanktionen gegen russische Kriegshelfer». Le Temps weist darauf hin, dass sich hybride Angriffe, etwa Sabotage, schwer sanktionieren lassen. Ein EU-Korrespondent des SRF nennt die Sanktionen «kaum mehr als ein starkes Zeichen». Zusätzlich belastet Trumps Dieselabkommen mit Moskau, das er am Freitag verkündet hatte, das Verhältnis zu Kiew: Laut SRF nützt der Streit zwischen Trump und Selenski vor allem Putin. Le Temps sieht in dem Abkommen den Versuch, vor den Wahlen den Benzinpreis zu senken. Republikaner äussern laut Bloomberg Unbehagen; der Abgeordnete Mike Lawler sagte, die USA sollten kein Dieselgeschäft mit Russland machen. Sieben US-Senatoren beider Parteien forderten Trump laut Nowaja Gaseta Europa auf, das Abkommen fallen zu lassen. Polens Aussenminister Radosław Sikorski sagte laut Bloomberg, Trump müsse Russland unter Druck setzen, nicht die Ukraine. Der Ölpreis reagierte: Brent notierte laut The Hill am Montagnachmittag bei knapp 106 Dollar. Die Schweiz übernimmt EU-Sanktionen in der Regel; ob sie auch dieses Paket übernimmt, ist nicht gemeldet. Wir beobachten heute, ob Moskau die Waffenruhe bestätigt und ob weitere Energieanlagen getroffen werden.